Die Borreliose wird auch als "Chamäleon" unter den Infektionskrankheiten bezeichnet. Sie führt zu einer Reihe von Symptomen, die auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Daher wird die Diagnose "Borreliose" im Klinikalltag häufig zu spät gestellt. Bei einer Borreliose können viele, prinzipiell sogar alle Organe beteiligt sein. Üblicherweise wird die Erkrankung in drei Stadien eingeteilt. Jedoch kann jedes der im Folgenden beschriebenen Stadien im klinischen Verlauf einer Borreliose übersprungen werden.
Das sicherste klinische Zeichen einer Borreliose ist das Erythema migrans ("Wanderröte"). Tage bis Wochen nach dem Stich einer infizierten Zecke kommt es dabei in ca. 60% der Borrelioseerkrankungen zu einer größeren, kreisförmigen Hautrötung, die sich von der Stichstelle nach außen verbreitet und schließlich auch zentral verblassen kann. In diesem Stadium kann es zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit leichtem Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen kommen.
Das zweite Stadium der Erkrankung beginnt meist 1-2 Monate nach der Infektion und ist charakterisiert durch die systemische Ausbreitung des Erregers im Körper. In Europa ist die akute Neuroborreliose (u. a. Bannwarth-Syndrom) die häufigste Ausprägung der Borreliose in diesem Stadium der Erkrankung. Bei etwa 75 % dieser Patienten kommt es zu neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen.
Monate bis Jahre nach der akuten Borreliose-Infektion kann es zum dritten Erkrankungsstadium kommen. Die chronische Borreliose kann zu degenerativen Zerstörungen von betroffenen Organen mit bleibenden Schäden führen. Anders als in den USA kommt es hierzulande in diesem Stadium selten zur Ausprägung einer Arthritis.